Schonender Fischabstieg an Flusskraftwerken (17.05.18)

Flusskraftwerke können ein Hindernis für Fische darstellen. Während für den Aufstieg inzwischen ein guter Stand der Technik existiert, bleibt der schonende Abstieg  vor allem bei direkt angeströmten Kraftwerken eine Herausforderung.

 

Fische orientieren sich bei ihrer Abwärtswanderung an der Hauptströmung, die bei  Flusskraftwerken im Normalfall durch die Turbine führt. Eine solche Turbinenpassage ist bei grossen, langsam drehenden Turbinen, wie sie an den Kraftwerken an Aare, Rhein oder Rhone typischerweise installiert sind, ein durchaus valabler Abstiegsweg.   Je nach Anlage (v.a. Turbinenart und -grösse, Anzahl Turbinenflügel, Drehgeschwindigkeit und Fallhöhe) sowie Art und Grösse/Länge der Fische resultieren mehr oder weniger  tödliche Verletzungen: bei Kaplan- und Rohrturbinen  normalerweise im einstelligen %-Bereich. Es gibt allerdings Extremfälle wie  den   oft zitierten Aal, der aufgrund seiner Länge in der Tat eher schlechte  Karten bei einer solchen Passage hat. Diese Fischart kommt in den Schweizer Gewässern  aber seit vielen Jahrzehnten kaum mehr natürlicherweise vor, weil der Aufstieg aus den Meeren verwehrt ist;  die Vorkommen sind primär Resultat von Besatzmassnahmen der Fischerei, namentlich im Bodensee, wo die Aale als Speisefisch jedes Jahr    zu Tausenden ausgesetzt werden, im Wissen um den schwierigen Abstieg.

Im Hinblick auf die ökologischen Sanierungen der Wasserkraft haben die Betreiber von Flusskraftwerken bereits im Jahre 2011 über ihren Verband Aare-Rheinwerke (VAR) ein erstes Forschungsprojekt initiiert und finanziert. Die Arbeiten wurden  Anfang 2015 mit einer  Dissertation der ETH Zürich abgeschlossen und haben  auf  Stufe Labor    interessante Erkenntnisse geliefert, namentlich zu mechanischen Verhaltensbarrieren, sog. Leitrechen mit Bypass. Gleichzeitig sind aber viele neue Fragen aufgetaucht: beispielsweise zur technischen Umsetzbarkeit, zu den resultierenden Kosten und Energieverlusten sowie  zum Verhalten der Fische als Kriterium für die Wahl zielführender Massnahmen.

Um millionenschwere Fehlinvestitionen und/oder grosse Verluste erneuerbarer Energie zu vermeiden, gilt es    nun  mögliche Lösungen    auf ihre Machbarkeit, Kostenfolgen und Auswirkungen zu untersuchen.   Dazu haben die  Kraftwerksgesellschaften über den    VAR bereits im Jahre 2015 ein Nachfolgeprojekt initiiert. An den zwei ausgewählten Aarekraftwerken  Bannwil und Wildegg-Brugg   soll je  ein technisches Vorprojekt für die Variante «Leitrechen mit Bypass»  erarbeitet werden und zusätzlich weitere Abwanderkorridore für die Fische basierend auf dem aktuellen Stand des Wissens sowie verhaltensbiologischer Studien (akustische Telemetrie, Radiotelemetrie) untersucht werden.

Nach nunmehr rund drei  Jahren Vorbereitungsarbeiten    mit den Behörden von Bund und Kantonen sowie mit Einbezug von Umweltverbänden und der Fischerei sind die    definitiven Pflichtenhefte und Gesuche nun kurz vor der   Genehmigung .   Die beiden Projekte dürften also nächstens gestartet werden können, in Stellvertretung für sämtliche grosse    Flusskraftwerke in der Schweiz.

Ein Kurzbeschrieb zum Projekt und weitere Informationen können  über untenstehenden Link von der Webseite des VAR  heruntergeladen werden.

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